19 - DER KLEINE TÄUBERICH
I
Die Taube ist nicht nur unsere Nachbarin in der Stadt, und schlägt sich durch im rauen Alltag zwischen Beton und Brotkrümeln. Sie ist auch ein Symbol des Friedens. Mit ausgestreckten Flügeln steigt sie auf in den blauen Himmel, die „Friedenstaube“. Vielleicht steckt ja in jedem Gurren hier auf den Straßen eine kleine Botschaft? „Es wird schon“, murmeln die Tauben vor sich hin, „und ist schon. Lebt in Frieden.“
II
Als ich klein war, habe ich mir oft vorgestellt, wie es sein würde, wenn ich einmal einem kleinen Tierjungen helfen könnte. Einem Täubchen oder einem kleinen Igel. Einem Eichhörnchen oder einem Hasen. Das Tierjunge würde auf ein wenig Heu solange in meinem Zimmer wohnen, bis es groß und stark und bereit für das Leben sein würde. Bis dahin wäre ich richtig gut darin, es zu füttern, ihm Gesellschaft zu leisten und zu schauen, dass es ihm an nichts fehlte. Und wenn es dann hinaus ziehen würde in den Wald oder den Stadtpark, würde es mich regelmäßig besuchen. Denn wir wären Freunde geworden. Das stellte ich mir herrlich vor.
Eine Bekannte erzählte mir, dass ihr genau das passiert sei. Sie wuchs auf einem bunten Hof am Rand einer kleinen Stadt auf. Dort lebten Ziegen, Hunde, Katzen, ein Schaf. Und auch eine Elster. Die fanden die Kinder eines Tages mit lahmen Flügel und pflegten sie gesund. Der Elster gefiel es so gut auf dem Hof und in dem Haus bei den Kindern, dass sie jeden Tag vorbeischaute und im Baum gegenüber ihr Nest baute.
Eines Tages, die Oma war gerade zu Besuch, saß die Elster, wie gewöhnlich auf einem Schrank und ließ es sich gut gehen. Als die Oma ihre glänzenden Nylon-Strümpfe nach dem Waschen über einen Stuhl hängte, setzte die Elster zum Flug an, krallte sich die Strümpfe der Oma und verschwand damit - zwusch! - durchs offene Fenster und in den Baum gegenüber. Die Oma schlug die Hände über dem Kopf zusammen und rief:. „Meine Strümpfe!“ Die Kinder lachten und holten eine Leiter. Ich weiß nicht, wer hoch zum Nest der Elster kletterte, jedenfalls fanden sie dort neben den Strümpfen der Oma allerhand anderes Diebesgut. Ein kleines silbernes Löffelchen, einen Deckel von einer Limonadenflasche, eine funkelnde Glasmurmel, eine Haarspange mit glitzernden Steinchen, ein Schlüssel und einen Ohrring. Alles glänzte und schimmerte im Nest der Elster. Sie hatte sich eine richtige Schatztruhe angelegt. „Den Schlüssel hab ich schon überall gesucht!“, meinte der eine und die andere rief: „Dort ist also mein Ohrring!“ Alles lachte und niemand nahm es der kleinen Elster krumm, schließlich gehörte sie zur Familie. Und Elstern sind nun einmal Elstern. Und lieben alles, was glänzt.
19 - „Der kleine Täuberich“ ist nun online. Viel Spaß mit dem Song und dem Video.
Macht’s gut! Viele Grüße von Schmidti 🎈