07 - Die Wolkenmaschine

Aus dem Wohnzimmer meiner Kindheit sehe ich den Berliner Fernsehturm. Er ist schlank, ragt hoch in den Himmel und trägt weit oben eine große Kugel, auf welcher eine lange Antenne sitzt. In der Kugel gibt es auf einer Etage ein Café, das sich auf einer Scheibe dreht. Als Gast sitzt du also wie auf einer Schallplatte, und der Fernsehturm-Plattenspieler dreht dich im Kreis, während du Vanilleeis mit heißen Himbeeren isst und dir Berlin von oben und in allen Richtungen anschauen kannst. 

Die Antenne des Fernsehturms sendet Radio- und Fernsehprogramme an die Geräte der Stadt. Was aber die wenigsten wissen - im Fernsehturm befindet sich auch eine Wetterstation, welche Kontakt hält mit der Wolkenmaschine hoch oben über der Stadt. Sie steuert, wann und wieviele Wolken am Himmel stehen, ob es regnet oder schneit, und wohin die Blitze aus den Gewitterwolken schießen. Die meiste Zeit funktioniert die Funkverbindung zwischen dem Fernsehturm und der Wolkenmaschine einwandfrei. Doch es gibt Tage, da scheint etwas nicht rund zu laufen, denn da schüttet es wie aus Eimern oder will nicht aufhören zu Schneien. Und mindestens genauso unangenehm ist es, wenn die Wolkenmaschine aus dem Radarbereich des Fernsehturms schaukelt, und es über Wochen nicht regnet. Dann ächzen die Bäume im Park nach Wasser, und das Wetterteam schickt kleine Suchballons auf den Weg, um die Wolkenmaschine zurück ins Funknetz des Fernsehturms zu lotsen. 

An einem besonders verregneten Abend, ich war vielleicht 6 Jahre alt, saß ich am Fenster des Wohnzimmers meiner Kindheit. „Das hört und hört nicht auf, da muss doch was kaputt sein!“, dachte ich damals, denn es regnete seit Tagen und sogar die Gummistiefel hatten die Faxen dicke. Plötzlich öffnete sich eine Luke in der Kugel im Fernsehturm und ein kleiner Hubschrauber huschte in den Himmel. Im nächsten Moment sprühten die Wolken Funken, wie zu Silvester, und einige Kabel vielen zu Boden. Ich dachte mir nichts weiter dabei, denn wir Berliner haben schon von klein auf alles gesehen und sind schwer zu beeindrucken. Am nächsten Morgen aber war der Himmel blitzeblank und strahlend blau. Die Wolkenmaschine war wieder ganz. Genau an diesem Tag fand ich auf dem Schulweg ein Stück Kabel, das ich seither in einer Notfallbox in meinem Schreibtisch aufbewahre. Nur für den Fall, dass es dem Fernsehturm irgendwann mal an Ersatzteilen für die Wolkenmaschine mangeln sollte.  


07 - „Die Wolkenmaschine“ ist nun online. Viel Spaß mit dem Video und dem Lied. 


Macht’s gut! Viele Grüße von Schmidti 🎈

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