05 - SCHLAF NUN EIN

Eine ganze Menge Treppen führen hinunter in den Gebrauchtwarenladen, welcher im Keller der Post dieses kleinen Ortes irgendwo im Nirgendwo zu finden ist. Unten angelangt empfängt mich ein riesiger Raum voll von alten Dingen, die aus den Häusern und Kellern der Menschen der Umgebung stammen, und darauf warten, wieder nützlich sein zu können. Da sind Gegenstände aus Küchen und Wohnzimmern, da sind alte Spiele und Möbel, da hängen Kleider und Mäntel, Jacken und Hosen, da stehen Skier und schwere Wanderstiefel neben Regalen voller Bücher für Jung und alt. Im Laden arbeiten zwei ältere Damen, beide sehr blass und vornehm. Als ich eintrete, lässt die eine Dame gerade eine ferngesteuerte Maus durch den Raum sausen. Die andere schaut interessiert dabei zu, und wendet sich dann wieder den Regalen zu, in denen sie herum räumt und mit Geschirr klappert. Ein paar Gedanken später beginnt sie, ein Volkslied in einer mir fremden Sprache zu singen. Langsam. Aber nicht leise. Die andere Dame setzt sich daraufhin ans Klavier und begleitet die Sängerin. Nach dem Volkslied wechseln die beiden zu einer Arie. Ob das etwas von Mozart ist? Und immer, wenn ein Lied zu Ende ist, beginnt ein neues. So geht es eine ganze Weile. Die Musik bricht kurz ab, wenn Kundschaft zahlen möchte. Da wechselt die Klavierspielerin zur Kasse, tippt ein paar Zahlen ein und wünscht schließlich einen schönen Tag, bevor sie sich wieder an das Klavier setzt, und dort weiterspielt, wo sie aufgehört hat. Im Laden suchen eine Handvoll Menschen in den Kisten nach Dingen, denen sie ein neues zu Hause geben können. Ich streife ohne Ziel durch die Flure zwischen den Regalen und lande in der Abteilung für Spielzeug, wo sich mir eine große Plastekiste voller Stofftiere vor die Füße stellt. Nanu. Zwischen Eseln, einer Giraffe, flauschigen Pilzen und einem Tiger finde ich plötzlich einen alten Teddy, der mich mit seinen Knopfaugen anschaut. Wie lang er wohl schon in dieser Kiste wohnt? „Dich nehm ich mit“, sage ich. Und gehe zur Kasse, und die Musik bricht kurz ab, und die Dame tippt etwas in die Kasse, wünscht mir einen schönen Tag. Während ich die Treppe hinaufsteige, höre ich Klaviermusik hinter mir, und bin mir nun ziemlich sicher, dass das Mozart ist. „Ich hab da eine Idee“, sage ich zum Teddy, als ich ihn neben mich setze im Bus, und lange fahre und sogar ein Flugzeug nehme, bevor ich wieder zu Hause auf meinem Sofa sitze. 

So kam Mr Teddy zu mir. Und nun auch zu euch. Und weil Mr Teddy manchmal nicht einschlafen kann, habe ich ihm einen kleinen Teddy geschenkt. Damit klappt es ganz hervorragend. 

05-”Schlaf nun ein“ ist jetzt online. Viel Spaß mit dem Lied und dem Video.

Macht’s gut! Viele Grüße von Schmidti 🎈

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